Der Erste Weltkrieg in Rheinland-Pfalz

Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Forschungsliteratur

Auf der Suche nach Literatur zum Ersten Weltkrieg in Rheinland-Pfalz stößt man nicht selten auf ältere Stadt- und Ortschroniken, die das Thema nur sporadisch behandeln und einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg herstellen. Ein Grund dafür ist die anfangs weit verbreitete Meinung, in der Erfahrung des Ersten Weltkriegs mentalitätsgeschichtlich - insbesondere in Deutschland - eine Destabilisierung zu sehen, die ihren Höhepunkt im Zweiten Weltkrieg fand. Diese vieldiskutierte These war es auch, die die frühen wissenschaftlichen Gesamtdarstellungen bestimmte. Ihr Ergebnis war die Relativierung des sogenannten Geist von 1914". Hatte man zuvor angenommen, dass unmittelbar vor Kriegsbeginn flächendeckend eine allgemeine Kriegsbegeisterung im Kaiserreich um sich gegriffen habe, so weiß man heute, dass vor allem in ländlichen Regionen nahe der Grenze auch gegenteilige Gefühle aufkamen. Diese galt es in den letzten Jahrzehnten nachzuvollziehen, sodass die Geschichtswissenschaft ihren Blick mehr und mehr auf Erfahrungen des Einzelnen an der Front und in der Heimat richtete. Neue regional- und alltagsgeschichtliche Werke dokumentierten in der Folge die Veränderungen im individuellen und kollektiven Bewusstsein der Menschen von damals. Forschungsgeschichtlich ist jedoch hinzuzufügen, dass der Zweite Weltkrieg im Laufe des 20. Jahrhunderts weitaus mehr Niederschlag in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur fand, da er aus naheliegenden Gründen tiefer im kollektiven Bewusstsein verankert war.

Wie groß dennoch das öffentliche Interesse am Ersten Weltkrieg und dem Kriegserleben des „kleinen Mannes" war, zeigte sich erstmals am 90. Jahrestag 2004. Schon vor 10 Jahren bewirkte das Gedenkjahr einen immensen Zuwachs an wissenschaftlichen Einzel- und Gesamtstudien. Kriegschroniken, Tagebücher und Feldpost wurden veröffentlicht, Internetportale erstellt und auch Presse und Medien nahmen sich des Themas an.

Jetzt, 100 Jahre später, scheint insbesondere das historische Forschungsinteresse abermals gewachsen zu sein. Schon zum Jahreswechsel 13/14 wurden modifizierte Thesen, wie beispielsweise jene, die Christopher Clark in seinem Buch "Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog" vertritt, vorgestellt und diskutiert. Auch hierzulande eröffnen neue Publikationen andere Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg und die Heimatfront, sodass wir Ihnen neben anschaulichem Quellenmaterial, frei zugängliche Aufsätze und Biographien sowie Auswahlbibliographie zusammengestellt haben. Darüber hinaus können Sie in die von uns erstellte Ausstellung und die damit verbundene Handreichung reinlesen.

 
Klicken Sie hier, um zum Ersten Weltkrieg im Saarland zu wechseln.